{"id":679,"date":"2022-11-02T18:43:17","date_gmt":"2022-11-02T18:43:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/?p=679"},"modified":"2025-04-02T13:08:43","modified_gmt":"2025-04-02T13:08:43","slug":"entsetzt-entruestet-und-dann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/index.php\/2022\/11\/02\/entsetzt-entruestet-und-dann\/","title":{"rendered":"Entsetzt, entr\u00fcstet, und dann?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Warum das Engagement gegen Rassismus und Antisemitismus so herausfordernd ist: Julia Bernstein, Marian Offman und Ludwig Spaenle diskutieren bei der DVPB-Jahrestagung 2022<\/strong><\/p>\n<p>Dass Rassismus und Antisemitismus auch in Bayern weiter um sich schlagen, berichtete bei der DVPB-Jahrestagung mit Dr. Ludwig Spaenle der Beauftragte der bayerischen Staatsregierung f\u00fcr j\u00fcdisches Leben und gegen Antisemitismus, f\u00fcr Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe. Im Zusammenhang mit den Entsch\u00e4digungszahlungen f\u00fcr die Hinterbliebenen des Olympia-Attentates von 1972 erh\u00e4lt Spaenle derzeit regelm\u00e4\u00dfig Drohungen gegen seine Person und vor allem antisemitische Hetze in sein E-Mail-Postfach. Die Feindlichkeit gegen\u00fcber J\u00fcdinnen und Juden suche sich immer neue Erkl\u00e4rungsmuster. Verschw\u00f6rungsmythen aktualisierten sich regelm\u00e4\u00dfig \u2013 nicht zuletzt durch den Umgang mit der Corona-Pandemie \u2013 und w\u00fcrden so anschlussf\u00e4hig nicht mehr nur in rechtsextremen Kreisen.<\/p>\n<h3>Schutz j\u00fcdischen Lebens als Staatsziel<\/h3>\n<p>\u201eNoch immer sind Menschen j\u00fcdischen Glaubens in ihrer Lebensweise eingeschr\u00e4nkt und durch \u00e4tzenden, gewaltbereiten Hass bedroht\u201c, sagt Spaenle, der mit Blick auf Veranstaltungen wie die DVPB-Jahrestagung erg\u00e4nzte: \u201eAm Ende von Netzwerktreffen und Tagungen ist man erst entsetzt, dann entr\u00fcstet.\u201c Und dann? Sich unterschwelligem, sich in scheinbar unbedachten \u00c4u\u00dferungen zeigenden, oder auch dem organisierten Antisemitismus entgegenzustellen, sei Aufgabe eines und einer jeden Einzelnen. Gemeinsam geht es jedoch besser: Als Beauftragter der Staatsregierung sch\u00fcttelt Spaenle H\u00e4nde, kooperiert mit den unterschiedlichsten Verb\u00e4nden, spricht mit ehrenamtlich T\u00e4tigen und Entscheider*innen in der \u00f6ffentlichen Verwaltung, organisiert Veranstaltungen, informiert \u00fcber j\u00fcdischen Glauben und Kultur, kl\u00e4rt auf \u00fcber Israel-zentrierten Antisemitismus \u2013 die Liste lie\u00dfe sich noch lange fortsetzen. Ein konkretes Ziel seiner politischen Arbeit ist dabei, den Schutz j\u00fcdischen Lebens und die Bek\u00e4mpfung des Antisemitismus als Staatsziel in die Bayerische Verfassung aufzunehmen, und nat\u00fcrlich auch ins gesamtdeutsche Grundgesetz.<\/p>\n<h3>\u201eUnertr\u00e4gliche Dauerschleifen\u201c<\/h3>\n<p>\u201eJenseits von Sonntagsreden: Herausforderungen beim Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus\u201c lautete der Beitrag von Prof. Dr. Julia Bernstein (Frankfurt University of Applied Sciences), in dem sie zuerst auf diskursive Dauerschleifen zur \u00c4chtung von Antisemitismus und Rassismus einging. Wenn also auf Angriffe, Aufmerksamkeit und Berichterstattung immer die politische \u00c4chtung und immer neue Diskussionen \u00fcber verschiedene, scheinbar \u00fcberraschende Ausgestaltungen des Antisemitismus folgen \u2013 dann ist das f\u00fcr die Betroffenen nicht nur erm\u00fcdend, sondern hinterl\u00e4sst das schlichtweg unertr\u00e4gliche Gef\u00fchl, dass sich nichts \u00e4ndert.<\/p>\n<p>Antisemitismus als Teil des Zeitgeistes zeige sich in Ph\u00e4nomenen wie der Opferkonkurrenz zwischen Antisemitismus und Rassismus, der Gleichsetzung zwischen Antisemitismus und Rassismus, einem Antirassismus mit antisemitischen Tendenzen oder der Vermischung der politischen Diskussion \u00fcber die Politik des israelischen Staates mit antisemitischen Motiven. Zusammenfassend lie\u00df sie ein Zitat des Soziologen David Hirsh aus dem Jahr 2017 f\u00fcr sich sprechen: \u201eJeder Antisemitismus kritisiert den, der vor ihm kam. Wilhelm Marr sagte schon Ende des 19. Jahrhunderts, christlicher Antisemitismus sei eigentlich l\u00e4cherlich, man m\u00fcsse aber verstehen, was das Problem mit den Juden nun sei. In \u00e4hnlicher Weise sagt das, was heute \u201aneuer Antisemitismus\u2018 genannt wird: \u201aKlar, wir sind gegen den alten, faschistischen, also den echten Antisemitismus, aber gleichzeitig sind es die Juden und Zionisten, die heute verantwortlich f\u00fcr Krieg und Elend und viel, viel mehr sind\u2018.\u201c<\/p>\n<h3>Wo bleibt die Empathie?<\/h3>\n<p>Marian Offman ist Beauftragter der Landeshauptstadt M\u00fcnchen f\u00fcr den interreligi\u00f6sen Dialog, Vorstandsmitglied der j\u00fcdischen Gemeinde M\u00fcnchens und war \u00fcber viele Jahre Mitglied im M\u00fcnchner Stadtrat. Was ihn offensichtlich mehr besch\u00e4ftigt als die Neonazis, denen er sich seit Jahrzehnten bei Demonstrationen gegen\u00fcberstellt, ist \u201edas Subtile am Antisemitismus\u201c, ist das, was sich im t\u00e4glichen Leben und Erleben in die Gesellschaft einschleicht: Dass ihm in scheinbar vorauseilendem Gehorsam vor dem \u00f6ffentlichen Aufschrei die Stellung als (j\u00fcdischer) Antisemitismusbeauftragter der Stadt M\u00fcnchen verwehrt blieb; oder dass antisemitische Plakate aus der NS-Zeit, die aus hetzerischer Absicht neu adaptiert und gezeigt werden, vor Gericht als von der Meinungsfreiheit gedeckte Karikatur interpretiert werden. Der deutschen Gesellschaft attestiert Offman infolge der Shoah eine \u201ekollektive Psychose. Ein junger j\u00fcdischer Mensch hat immer das Gef\u00fchl, dass er \u2013 aufgrund der Geschichte seiner Eltern, seiner Gro\u00dfeltern, der Geschichte in diesem Land \u2013 st\u00e4ndig diskriminiert wird. Und die Gesellschaft sollte so viel Empathie aufbringen, dass sie dieses Gef\u00fchl akzeptiert. Der Makel dieses, unseres Landes wird so lange bestehen, wie unsere Gesellschaft diese Empathie nicht aufbringt.\u201c<\/p>\n<h3>Antisemitische Hetze ist keine Meinung<\/h3>\n<p>Auf dem Podium entspann sich eine intensive Diskussion \u00fcber Rechtsprechung und fehlende bindende Definitionen dar\u00fcber, was antisemitische Straftaten tats\u00e4chlich ausmacht. Wie kann es sein, dass ein Molotow-Cocktail, der auf eine Synagoge geworfen wird, lediglich eine Sachbesch\u00e4digung darstellt? Dass online \u2013 trotz aller aktuellen Initiativen wie einem Hate-Speech-Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung \u2013 praktisch jeder antisemitische Mist verbreitet werden kann? \u201eMenschenrechte stehen \u00fcber der Meinungsfreiheit\u201c, meint Julia Bernstein. \u201eWir reden \u00fcber so viele berechtigte Spielarten von Menschenrechten in Deutschland, aber viel zu selten \u00fcber die der j\u00fcdischen Personen.\u201c<\/p>\n<p>Auch auf die wichtige Arbeit mit den letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der Shoah wiesen die Podiumsg\u00e4ste hin. Marian Offman mahnt an, die Erinnerung an diese Personen aufrecht zu erhalten, \u201ejede Ecke der Erinnerung auszuleuchten\u201c \u2013 und sich dennoch auf die aktuelle kulturelle Begegnung zu konzentrieren. Auch der Ludwig Spaenle sagt: \u201eIrgendwann wird der Moment da sein, an dem die letzten \u00dcberlebenden der Shoah gestorben sind. Dann kommt es darauf an, mit zeitgem\u00e4\u00dfen medialen Formaten die Erinnerung modern zu halten, und bis dahin die Dokumentationspflicht zu erf\u00fcllen, wann und wo immer es geht.\u201c<\/p>\n<p>Gef\u00e4hrlich werde es f\u00fcr die gesamte Gesellschaft, wenn sich in einem ritualisierten, abstrakten Gedenken niemand mehr als Nachfahre der T\u00e4ter der Shoah positioniere. \u201eMan kann sich nicht gegen\u00fcber den letzten verbliebenen Zeitzeugen Katharsis-gleich ausweinen, und dann bei antisemitischen Vorf\u00e4llen wegsehen\u201c, meint Spaenle. Und Offman erg\u00e4nzt: Ob unter diesen Voraussetzungen in 50 Jahren noch j\u00fcdische Menschen in Deutschland leben wollten, verm\u00f6ge er nicht zu sagen.<\/p>\n<p><em>Sebastian Haas<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herausforderndes Engagement gegen Rassismus und Antisemitismus: Eine Diskussion bei der DVPB-Jahrestagung 2022<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":709,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"off","_et_pb_old_content":"<strong>Warum das Engagement gegen Rassismus und Antisemitismus so herausfordernd ist: Julia Bernstein, Marian Offman und Ludwig Spaenle diskutieren bei der DVPB-Jahrestagung 2022<\/strong>\r\n\r\nDass Rassismus und Antisemitismus auch in Bayern weiter um sich schlagen, berichtete bei der DVPB-Jahrestagung mit Dr. Ludwig Spaenle der Beauftragte der bayerischen Staatsregierung f\u00fcr j\u00fcdisches Leben und gegen Antisemitismus, f\u00fcr Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe. 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Wenn also auf Angriffe, Aufmerksamkeit und Berichterstattung immer die politische \u00c4chtung und immer neue Diskussionen \u00fcber verschiedene, scheinbar \u00fcberraschende Ausgestaltungen des Antisemitismus folgen \u2013 dann ist das f\u00fcr die Betroffenen nicht nur erm\u00fcdend, sondern hinterl\u00e4sst das schlichtweg unertr\u00e4gliche Gef\u00fchl, dass sich nichts \u00e4ndert.\r\n\r\nAntisemitismus als Teil des Zeitgeistes zeige sich in Ph\u00e4nomenen wie der Opferkonkurrenz zwischen Antisemitismus und Rassismus, der Gleichsetzung zwischen Antisemitismus und Rassismus, einem Antirassismus mit antisemitischen Tendenzen oder der Vermischung der politischen Diskussion \u00fcber die Politik des israelischen Staates mit antisemitischen Motiven. Zusammenfassend lie\u00df sie ein Zitat des Soziologen David Hirsh aus dem Jahr 2017 f\u00fcr sich sprechen: \u201eJeder Antisemitismus kritisiert den, der vor ihm kam. Wilhelm Marr sagte schon Ende des 19. Jahrhunderts, christlicher Antisemitismus sei eigentlich l\u00e4cherlich, man m\u00fcsse aber verstehen, was das Problem mit den Juden nun sei. In \u00e4hnlicher Weise sagt das, was heute \u201aneuer Antisemitismus\u2018 genannt wird: \u201aKlar, wir sind gegen den alten, faschistischen, also den echten Antisemitismus, aber gleichzeitig sind es die Juden und Zionisten, die heute verantwortlich f\u00fcr Krieg und Elend und viel, viel mehr sind\u2018.\u201c\r\n<h3>Wo bleibt die Empathie?<\/h3>\r\nMarian Offman ist Beauftragter der Landeshauptstadt M\u00fcnchen f\u00fcr den interreligi\u00f6sen Dialog, Vorstandsmitglied der j\u00fcdischen Gemeinde M\u00fcnchens und war \u00fcber viele Jahre Mitglied im M\u00fcnchner Stadtrat. 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Und die Gesellschaft sollte so viel Empathie aufbringen, dass sie dieses Gef\u00fchl akzeptiert. Der Makel dieses, unseres Landes wird so lange bestehen, wie unsere Gesellschaft diese Empathie nicht aufbringt.\u201c\r\n<h3>Antisemitische Hetze ist keine Meinung<\/h3>\r\nAuf dem Podium entspann sich eine intensive Diskussion \u00fcber Rechtsprechung und fehlende bindende Definitionen dar\u00fcber, was antisemitische Straftaten tats\u00e4chlich ausmacht. Wie kann es sein, dass ein Molotow-Cocktail, der auf eine Synagoge geworfen wird, lediglich eine Sachbesch\u00e4digung darstellt? 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Dann kommt es darauf an, mit zeitgem\u00e4\u00dfen medialen Formaten die Erinnerung modern zu halten, und bis dahin die Dokumentationspflicht zu erf\u00fcllen, wann und wo immer es geht.\u201c\r\n\r\nGef\u00e4hrlich werde es f\u00fcr die gesamte Gesellschaft, wenn sich in einem ritualisierten, abstrakten Gedenken niemand mehr als Nachfahre der T\u00e4ter der Shoah positioniere. \u201eMan kann sich nicht gegen\u00fcber den letzten verbliebenen Zeitzeugen Katharsis-gleich ausweinen, und dann bei antisemitischen Vorf\u00e4llen wegsehen\u201c, meint Spaenle. 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