{"id":832,"date":"2023-11-17T19:09:50","date_gmt":"2023-11-17T19:09:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/?p=832"},"modified":"2025-04-02T12:59:17","modified_gmt":"2025-04-02T12:59:17","slug":"neue-rezension-toni-andress-das-postkapitalistische-manifest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/index.php\/2023\/11\/17\/neue-rezension-toni-andress-das-postkapitalistische-manifest\/","title":{"rendered":"Neue Rezension: Toni Andre\u00df \/ Das postkapitalistische Manifest"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; custom_padding=&#8220;6px|||||&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_row column_structure=&#8220;1_4,3_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;1_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/andress_postkapitalistisches_manifest.jpg&#8220; alt=&#8220;Coverbild Postkapitalistisches Manifest&#8220; title_text=&#8220;KO_Andress_Post-Kapitalismus_US_DRUCK_Bund32,5mm.indd&#8220; align=&#8220;center&#8220; force_fullwidth=&#8220;on&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;3_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Toni Andre\u00df, Das postkapitalistische Manifest. Wie wir unsere Wirtschafts- und Umweltkrisen l\u00f6sen k\u00f6nnen, M\u00fcnchen: oekom 2023, 521 Seiten, 36 Euro. Rezension von Prof. Dr. Fritz Reheis\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl bei Umfragen eine deutliche Mehrheit der Deutschen den Kapitalismus ablehnten, sei die herrschende Wirtschaftsordnung kaum ein Thema im \u00f6ffentlichen Diskurs. Hier sieht der Wirtschaftsjurist Toni Andre\u00df Handlungsbedarf. Das \u201ePostkapitalistische Manifest\u201c beschreibt zentrale Problemfelder der herrschenden Wirtschaftsordnung, diagnostiziert an vielen Stellen das Fehlen einer echten Marktwirtschaft als die eigentliche Ursache und pl\u00e4diert als L\u00f6sung der Probleme f\u00fcr die Abschaffung des Kapitalismus. Zentral ist f\u00fcr ihn dabei die Einf\u00fchrung eines Freigeldsystems (Geld ohne Zinsen), das die Verbraucher und die Realwirtschaft praktisch kostenlos mit Geld versorge. Geld d\u00fcrfe allein dem Austausch und der Wertaufbewahrung, nicht jedoch der Wertvermehrung dienen. Kombiniert werden m\u00fcsse diese fundamentale Geldreform mit einem nationalen Grundeinkommen, konsequentem internationalen Freihandel \u201emit gerechten Wettbewerbsbedingungen\u201c (S. 12) einschlie\u00dflich einer Weltw\u00e4hrung sowie die Einrichtung eines Marktes f\u00fcr umfassende Umweltverschmutzungsrechte. Um den Kapitalismus zu \u00fcberwinden brauche es keinen neuen Menschen, sondern nur neue Regeln, die es den Akteuren erm\u00f6glichten, \u201esozial zu handeln, ohne ihren Eigennutz aufzugeben\u201c (S. 13).<\/p>\n<p>Das erste Kapitel thematisiert Probleme des existierenden Kapitalismus (Finanzkrise, \u00dcberschuldung, Verm\u00f6gensungleichheit), skizziert die Freigeldlehre, gibt Handlungsempfehlungen, und beleuchtet ausf\u00fchrlich deren Auswirkungen. Im zweiten Kapitel beschreibt der Verfasser ebenfalls sehr detailliert die derzeitige Umweltbelastung und -zerst\u00f6rung, ehe er Vorschl\u00e4ge zur Reform des bestehenden Emissionshandels unterbreitet (Ausdehnung auf alle Unternehmen und m\u00f6glichst alle sch\u00e4dlichen Emissionen), erg\u00e4nzt um viele Verbote (analog zum FCKW-Verbot). Es folgen sehr detaillierte Erl\u00e4uterungen zu den Auswirkungen einer solchen Umweltpolitik auf alle wesentlichen realwirtschaftlichen Bereiche. Das dritte Kapitel behandelt die Arbeit, wiederum ausgehend von einer Problembeschreibung (Armut, Sklaverei), gefolgt von der Darstellung des Grundeinkommenskonzepts und seinen m\u00f6glichen positiven Wirkungen. Im letzten Kapitel schlie\u00dflich geht es um die Probleme des internationalen Handels, das Prinzip des konsequenten Freihandels und einer neutralen Weltw\u00e4hrung und die Frage, welche positiven Auswirkungen aus diesen L\u00f6sungskonzepten folgen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich fragt sich die Leserin und der Leser, woher die transformative Kraft f\u00fcr die Entmachtung des Finanzkapitals kommen soll und ob nicht auch in den vom Kapital befreiten M\u00e4rkten noch \u00f6konomische \u201eSach\u201czw\u00e4nge (strukturelle Ungleichheiten als Folge geografischer und historischer Umst\u00e4nde wie etwa der Kolonialismus, Konkurrenz statt Kooperation, Entfremdungsph\u00e4nomene) schlummern. Auch wird das Kriterium nicht hinreichend deutlich, nach dem systematisch entschieden werden kann, in welchen F\u00e4llen Anreize gen\u00fcgen und wo Verbote unerl\u00e4sslich sind. Wer jedoch ein Buch sucht, das ihn umfassend \u00fcber den gegenw\u00e4rtigen Zustand der kapitalistisch \u201eregierten\u201c Welt und \u00fcber die Vision eines Postkapitalismus informiert, der ist mit diesem \u201eManifest\u201c bestens bedient, auch wegen der beeindruckenden Vielfalt der Belege \u00fcber soziale und auch technische Details der dringend gebotenen Transformation.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch beschreibt zentrale Problemfelder der herrschenden Wirtschaftsordnung, diagnostiziert das Fehlen einer echten Marktwirtschaft und pl\u00e4diert f\u00fcr die Abschaffung des Kapitalismus. Eine Rezension von Prof. Dr. Fritz Reheis.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":837,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"<p><strong><img class=\"size-medium wp-image-834 alignright\" src=\"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/andress_postkapitalistisches_manifest-212x300.jpg\" alt=\"Coverbild Postkapitalistisches Manifest\" width=\"212\" height=\"300\" \/>Toni Andre\u00df, Das postkapitalistische Manifest. Wie wir unsere Wirtschafts- und Umweltkrisen l\u00f6sen k\u00f6nnen, M\u00fcnchen: oekom 2023, 521 Seiten, 36 Euro. Rezension von Prof. Dr. Fritz Reheis\u00a0<\/strong><\/p><p>Obwohl bei Umfragen eine deutliche Mehrheit der Deutschen den Kapitalismus ablehnten, sei die herrschende Wirtschaftsordnung kaum ein Thema im \u00f6ffentlichen Diskurs. Hier sieht der Wirtschaftsjurist Toni Andre\u00df Handlungsbedarf. Das \u201ePostkapitalistische Manifest\u201c beschreibt zentrale Problemfelder der herrschenden Wirtschaftsordnung, diagnostiziert an vielen Stellen das Fehlen einer echten Marktwirtschaft als die eigentliche Ursache und pl\u00e4diert als L\u00f6sung der Probleme f\u00fcr die Abschaffung des Kapitalismus. Zentral ist f\u00fcr ihn dabei die Einf\u00fchrung eines Freigeldsystems (Geld ohne Zinsen), das die Verbraucher und die Realwirtschaft praktisch kostenlos mit Geld versorge. Geld d\u00fcrfe allein dem Austausch und der Wertaufbewahrung, nicht jedoch der Wertvermehrung dienen. Kombiniert werden m\u00fcsse diese fundamentale Geldreform mit einem nationalen Grundeinkommen, konsequentem internationalen Freihandel \u201emit gerechten Wettbewerbsbedingungen\u201c (S. 12) einschlie\u00dflich einer Weltw\u00e4hrung sowie die Einrichtung eines Marktes f\u00fcr umfassende Umweltverschmutzungsrechte. Um den Kapitalismus zu \u00fcberwinden brauche es keinen neuen Menschen, sondern nur neue Regeln, die es den Akteuren erm\u00f6glichten, \u201esozial zu handeln, ohne ihren Eigennutz aufzugeben\u201c (S. 13).<\/p><p>Das erste Kapitel thematisiert Probleme des existierenden Kapitalismus (Finanzkrise, \u00dcberschuldung, Verm\u00f6gensungleichheit), skizziert die Freigeldlehre, gibt Handlungsempfehlungen, und beleuchtet ausf\u00fchrlich deren Auswirkungen. Im zweiten Kapitel beschreibt der Verfasser ebenfalls sehr detailliert die derzeitige Umweltbelastung und -zerst\u00f6rung, ehe er Vorschl\u00e4ge zur Reform des bestehenden Emissionshandels unterbreitet (Ausdehnung auf alle Unternehmen und m\u00f6glichst alle sch\u00e4dlichen Emissionen), erg\u00e4nzt um viele Verbote (analog zum FCKW-Verbot). Es folgen sehr detaillierte Erl\u00e4uterungen zu den Auswirkungen einer solchen Umweltpolitik auf alle wesentlichen realwirtschaftlichen Bereiche. Das dritte Kapitel behandelt die Arbeit, wiederum ausgehend von einer Problembeschreibung (Armut, Sklaverei), gefolgt von der Darstellung des Grundeinkommenskonzepts und seinen m\u00f6glichen positiven Wirkungen. Im letzten Kapitel schlie\u00dflich geht es um die Probleme des internationalen Handels, das Prinzip des konsequenten Freihandels und einer neutralen Weltw\u00e4hrung und die Frage, welche positiven Auswirkungen aus diesen L\u00f6sungskonzepten folgen k\u00f6nnten.<\/p><p>Nat\u00fcrlich fragt sich die Leserin und der Leser, woher die transformative Kraft f\u00fcr die Entmachtung des Finanzkapitals kommen soll und ob nicht auch in den vom Kapital befreiten M\u00e4rkten noch \u00f6konomische \u201eSach\u201czw\u00e4nge (strukturelle Ungleichheiten als Folge geografischer und historischer Umst\u00e4nde wie etwa der Kolonialismus, Konkurrenz statt Kooperation, Entfremdungsph\u00e4nomene) schlummern. Auch wird das Kriterium nicht hinreichend deutlich, nach dem systematisch entschieden werden kann, in welchen F\u00e4llen Anreize gen\u00fcgen und wo Verbote unerl\u00e4sslich sind. Wer jedoch ein Buch sucht, das ihn umfassend \u00fcber den gegenw\u00e4rtigen Zustand der kapitalistisch \u201eregierten\u201c Welt und \u00fcber die Vision eines Postkapitalismus informiert, der ist mit diesem \u201eManifest\u201c bestens bedient, auch wegen der beeindruckenden Vielfalt der Belege \u00fcber soziale und auch technische Details der dringend gebotenen Transformation.<\/p>","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[123,60],"tags":[107,104,105,108,103,106],"class_list":["post-832","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-archiv-aktuelles","category-buchbesprechungen","tag-buch","tag-buchbesprechung","tag-kapitalismus","tag-marktwirtschaft","tag-rezension","tag-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/832","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=832"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/832\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1399,"href":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/832\/revisions\/1399"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/837"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=832"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=832"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dvpb-bayern.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=832"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}