Bereits zum fünften Mal wurde am 1. Juli 2024 der Abiturpreis „Politik und Gesellschaft“ des Landesverbands Bayern der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung e. V. im Bayerischen Landtag verliehen. Kultusministerin Anna Stolz zeichnete im Beisein von Prof. Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, vier Abiturientinnen und Abiturienten aus, die sich in herausragender Weise in ihren Seminararbeiten mit aktuellen Themen aus den Bereichen Politik und Gesellschaft auseinandergesetzt haben. Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner hatte den Termin fest eingeplant, musste sich kurzfristig aber krankheitsbedingt von Landtagsdirektor Peter Worm vertreten lassen.

Zu Beginn der Veranstaltung im Lesesaal des Maximilianeums richtete sich Kultusministerin Anna Stolz beeindruckt an die Preisträgerinnen und Preisträger: „Wettbewerbe wie der Abiturpreis ‚Politik und Gesellschaft‘ sind eine wunderbare Möglichkeit, junge Menschen für politische Fragestellungen zu begeistern. Sie alle haben hervorragende Seminararbeiten geschrieben und sich intensiv mit politischen Kulturen beschäftigt. Die Bandbreite der Themen ging von Feminismus über Verschwörungstheorien bis hin zu internationaler Machtpolitik. Unsere Demokratie braucht aufgeweckte junge Menschen wie Sie! Bitte bleiben Sie auch weiterhin so politikbegeistert! Ein besonderer Dank geht auch an Ihre Lehrkräfte, die Sie bei diesen Höchstleistungen begleitet haben“.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner sagte bereits vorab: „Der Abiturpreis ‚Politik und Gesellschaft‘ nimmt die Demokratie in den Blick – mit all ihren Facetten, national und international. 83 Arbeiten zu komplexen politischen Themen sind eingereicht worden, beispielsweise zum Taiwan-Konflikt, zu Verschwörungsmythen, zu modernen Formen der Sklaverei und gesellschaftlichen Rollenbildern. Sie wurden aus ganz unterschiedlicher Fächerperspektive beleuchtet: Das war nicht etwa Hemmnis, das war Motivation. Mich stimmt das sehr zuversichtlich, denn damit wird klar: Viele in unserer jungen Generation haben den Ernst der Lage erkannt und sie haben erkannt, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen. Demokratie ist dabei das Gegenmodell zu Unrecht, Gewalt, Angst und Fremdbestimmtheit. Niemand liebt die Freiheit so sehr wie die jungen Menschen und deshalb setze ich voll auf Euch: Seien Sie aktive, selbstbewusste und verantwortliche Bürgerinnen und Bürger. Mit Ihrer Haltung und Ihren Gedanken zu brennenden Fragen der Zeit haben Sie die Jury überzeugt. Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem außerordentlichen Erfolg beim Abiturpreis ‚Politik und Gesellschaft‘ 2024“.

Im Namen des Landesverbands Bayern der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung bedankte sich ihr Vorsitzender, Prof. Dr. Stefan Rappenglück, für die Grußworte sowie bei Landtagspräsidentin Ilse Aigner für die erneute Übernahme der Schirmherrschaft und die Durchführung der Preisverleihung im Bayerischen Landtag. Zudem dankte er der Heinz- und Sybille-Laufer-Stiftung für politische Wissenschaft für die Finanzierung der Preisgelder, der Akademie für Politische Bildung Tutzing, die Gutscheine für die Preisträger zur Verfügung stellt, und den Mitgliedern der Jury für ihre ehrenamtliche Arbeit. Die Politische Bildung an Schulen steht und fällt mit dem Engagement der Lehrerinnen und Lehrer. Daher richtet sich der Dank des Landesverbands Bayern auch sehr herzlich an die Kursleiterinnen und Kursleiter für ihre Arbeit bei der Betreuung der Arbeiten. Viele Rückmeldungen von Schulen zeigen, dass der Abiturpreis ‚Politik und Gesellschaft‘ sehr gut ankommt und geschätzt wird.

In seiner anschließenden Laudatio berichtete Prof. Dr. Rappenglück erfreut, dass seit dem Start des Preises vor fünf Jahren insgesamt rund 650 Seminararbeiten aus ganz Bayern durch die Jury begutachtet wurden. Dieses Jahr reichten 83 Schülerinnen und Schüler ihre Arbeiten ein. Eine achtzehnköpfige Jury des Landesverbands Bayern der DVPB, bestehend aus Lehrkräften und im Hochschulbereich tätigen Personen, wählte aus den eingereichten Arbeiten vier herausragende aus. Bewertet wurden insbesondere die Problemorientierung, der aktuelle Bezug, eine multiperspektivische Vorgehensweise, ein eigenständiges, kritisches politisches Urteil, ein erkennbarer Anteil an Eigenaktivität im Verhältnis zur Quellenarbeit, die Anwendung von sachgerechten Recherchemethoden sowie die überzeugende Formulierung eines plausiblen Ergebnisses. Neben den ersten drei Preisen wurde in diesem Jahr auch wieder ein Sonderpreis vergeben. Der erste Preis wurde mit 300 Euro prämiert, der zweite Preis mit 200 Euro, der dritte Preis und der Sonderpreis jeweils mit 100 Euro; zudem gab es für jeden einen Gutschein für die Teilnahme an Angeboten der Politischen Akademie Tutzing. Nachdem im Jahr 2023 zufällig alle Preisträger männlich waren, ist das Geschlechterverhältnis heuer ausgeglichen.

Vor der Übergabe der Urkunden und Preise durch Kultusministerin Anna Stolz und Prof. Dr. Ursula Münch würdigte Prof. Dr. Rappenglück die Seminararbeiten der vier Preisträgerinnen und Preisträger im Einzelnen (hier nachzulesen). Die Preisträger*innen 2024 sind in alphabetischer Reihenfolge:

Frick, Valerie (Allgäu-Gymnasium Kempten): zweiter Preis // Racial Discrimination in Qatar (Kafala System) – Modern Slavery and Racial Discrimination in the Modern World: The Case of Quatar (Leitfach Englisch)

Fuchs, Valentin (Camerloher-Gymnasium Freising): erster Preis // Der Taiwan-Konflikt (Leitfach Sozialkunde)

Neuberger, Jonas (Wirsberg-Gymnasium Würzburg): Sonderpreis // Männlicher Feminismus (Leitfach Sozialkunde)

Vollmar, Mathilda (Michaeli-Gymnasium München): dritter Preis // Verschwörungsmythen – eine akute Gefahr für die Demokratie? Ein Vergleich verschiedener Verschwörungsmythen und ihres Einflusses auf die Stabilität der Demokratie (Leitfach Sozialkunde)